Nach Zusammenbruch zurück im Leben
Mobbing, Burn-out, Alkohol: Vitus M. Simonsen hat im Café Paletti wieder Struktur gefunden – und will anderen Mut machen
Kiel.
„Ich bin glücklich, dass ich meinem Leben eine zweite Chance gegeben habe.“ Vitus M. Simonsen redet ruhig, aber bestimmt. Seine Worte wählt der 30-Jährige mit Bedacht. Denn der Kieler möchte eine Botschaft loswerden. Vitus M. Simonsen kämpft seit seiner Jugend mit psychischen Problemen. Dank professioneller Hilfe ist es ihm heute möglich, einem geregelten Tagesablauf nachzugehen. Mit seiner Geschichte geht der Deutsch-Däne bewusst an die Öffentlichkeit, um anderen Betroffenen Mut zu machen.
Vitus M. Simonsen ist ein Mann der Zahlen. „Wichtige Daten in meinem Leben vergesse ich nicht.“ Der 2. Oktober 2024 ist ein solches Datum.
Es ist ein Mittwoch und der Tag, an dem sein Leben eine neue Struktur erhält. Am 2. Oktober 2024 hat Simonsen seinen ersten Arbeitstag im Café Paletti in Kiel. In der Gastronomie in der Muhliusstraße ist er im Service tätig, räumt die Spülmaschine ein und aus, bereitet Essen vor, sorgt dafür, dass die Küche sauber ist.
20 Stunden pro Woche arbeitet Simonsen im Café Paletti, das 13 Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Beschäftigung bietet. Die Anstellung hilft ihm sehr. „Seit ich hier bin, bin ich ruhiger geworden. Stress belastet mich nicht mehr so schnell. Es tut mir gut, dass ich einen geregelten Tagesablauf habe.“
Das war in den vergangenen Jahren nicht der Fall. 2017 bricht Vitus M. Simonsen zusammen. Stress im Studium, verbunden mit Geldsorgen, führt zu einem Burn-out. Er exmatrikuliert sich von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, verfällt mit 21 Jahren dem Alkohol.
Traumata aus seiner Jugend verschärfen seinen mentalen Gesundheitszustand. Er berichtet von psychischer Gewalt in seiner Kindheit. Sowohl von Mitschülern als auch von Lehrern fühlt er sich gemobbt.
Seine Eltern und ein enger Freundeskreis stehen ihm zur Seite. Sie drängen ihn, Hilfe zu suchen. Vitus M. Simonsen nimmt den Rat an, macht mehrere Therapien. Die letzte schließt er im September 2023 erfolgreich ab. Knapp ein Jahr später beginnt er, im Café Paletti zu arbeiten. „Als er zu uns kam, war er noch unsicher“, erinnert sich Simona Link an die ersten Wochen. „Aber er ist viel selbstbewusster geworden und ist von einem unsicheren Menschen zu einem der beliebtesten Kollegen geworden“, sagt die Sozialpädagogin und Teamleiterin des Arbeits- und Beschäftigungsprojekts.
Von den Mitarbeitenden im Café Paletti wird Simonsen „Prediger“ genannt. Der Spitzname entstand, weil der 30-Jährige gerne redet. „Am Anfang habe ich aus Nervosität viel gesprochen.“ Das Reden war eine Bewältigungsstrategie, um mit der Aufregung umzugehen. Die Anfangsnervosität ist verflogen, das Mitteilungsbedürfnis geblieben.
Viel reden kann Vitus M. Simonsen auch als Spielleiter einer Pen-and-Paper-Gruppe. Seit April 2025 organisiert er ein Fantasy-Rollenspiel im Café Paletti. Die sieben Teilnehmer treffen sich alle zwei Wochen. „Ich bin dankbar, dass mir das Vertrauen gegeben wurde“, sagt Simonsen über die Aufgabe. „Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen, dass ich keinem Menschen vertrauen kann.“
Die Verantwortung für die Pen-and-Paper-Gruppe soll ihm auf dem Weg in den Arbeitsmarkt helfen. Simonsens Ziel ist es, einen Beruf außerhalb des Sozialraumprojekts im Café Paletti ergreifen zu können. In welche Richtung es gehen soll, will der Kieler gemeinsam mit seinen Betreuern und Sozialpädagogen herausfinden. Die Entscheidungsfindung vergleicht er mit einem Floß, das auf einem Fluss treibt. „Ich weiß nicht, wo ich ankommen werde.“
Und noch ein Ziel verfolgt er: „Ich will anderen Mut zusprechen, nicht aufzugeben und Hilfe zu suchen.“ Das Unterstützungsangebot sei da, auch wenn es größer sein könnte. „Es gibt die Möglichkeit, feste Strukturen zu finden.“
Ein Blick ins Café Paletti
Das Video gibt einen kurzen Einblick in unseren Alltag, unsere Arbeit und die Menschen, die das Café Paletti mit Leben füllen.
Nach Zusammenbruch zurück im Leben
Mobbing, Burn-out, Alkohol: Vitus M. Simonsen hat im Café Paletti wieder Struktur gefunden – und will anderen Mut machen
„Ich bin glücklich, dass ich meinem Leben eine zweite Chance gegeben habe.“ Vitus M. Simonsen redet ruhig, aber bestimmt. Seine Worte wählt der 30-Jährige mit Bedacht. Denn der Kieler möchte eine Botschaft loswerden. Vitus M. Simonsen kämpft seit seiner Jugend mit psychischen Problemen. Dank professioneller Hilfe ist es ihm heute möglich, einem geregelten Tagesablauf nachzugehen. Mit seiner Geschichte geht der Deutsch-Däne bewusst an die Öffentlichkeit, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Vitus M. Simonsen ist ein Mann der Zahlen. „Wichtige Daten in meinem Leben vergesse ich nicht.“ Der 2. Oktober 2024 ist ein solches Datum. Es ist ein Mittwoch und der Tag, an dem sein Leben eine neue Struktur erhält. Am 2. Oktober 2024 hat Simonsen seinen ersten Arbeitstag im Café Paletti in Kiel. In der Gastronomie in der Muhliusstraße ist er im Service tätig, räumt die Spülmaschine ein und aus, bereitet Essen vor, sorgt dafür, dass die Küche sauber ist. 20 Stunden pro Woche arbeitet Simonsen im Café Paletti, das 13 Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Beschäftigung bietet. Die Anstellung hilft ihm sehr. „Seit ich hier bin, bin ich ruhiger geworden. Stress belastet mich nicht mehr so schnell. Es tut mir gut, dass ich einen geregelten Tagesablauf habe.“ Das war in den vergangenen Jahren nicht der Fall. 2017 bricht Vitus M. Simonsen zusammen. Stress im Studium, verbunden mit Geldsorgen, führt zu einem Burn-out. Er exmatrikuliert sich von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, verfällt mit 21 Jahren dem Alkohol. Traumata aus seiner Jugend verschärfen seinen mentalen Gesundheitszustand. Er berichtet von psychischer Gewalt in seiner Kindheit. Sowohl von Mitschülern als auch von Lehrern fühlt er sich gemobbt. Seine Eltern und ein enger Freundeskreis stehen ihm zur Seite. Sie drängen ihn, Hilfe zu suchen. Vitus M. Simonsen nimmt den Rat an, macht mehrere Therapien. Die letzte schließt er im September 2023 erfolgreich ab. Knapp ein Jahr später beginnt er, im Café Paletti zu arbeiten. „Als er zu uns kam, war er noch unsicher“, erinnert sich Simona Link an die ersten Wochen. „Aber er ist viel selbstbewusster geworden und ist von einem unsicheren Menschen zu einem der beliebtesten Kollegen geworden“, sagt die Sozialpädagogin und Teamleiterin des Arbeits- und Beschäftigungsprojekts. Von den Mitarbeitenden im Café Paletti wird Simonsen „Prediger“ genannt. Der Spitzname entstand, weil der 30-Jährige gerne redet. „Am Anfang habe ich aus Nervosität viel gesprochen.“ Das Reden war eine Bewältigungsstrategie, um mit der Aufregung umzugehen. Die Anfangsnervosität ist verflogen, das Mitteilungsbedürfnis geblieben. Viel reden kann Vitus M. Simonsen auch als Spielleiter einer Pen-and-Paper-Gruppe. Seit April 2025 organisiert er ein Fantasy-Rollenspiel im Café Paletti. Die sieben Teilnehmer treffen sich alle zwei Wochen. „Ich bin dankbar, dass mir das Vertrauen gegeben wurde“, sagt Simonsen über die Aufgabe. „Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen, dass ich keinem Menschen vertrauen kann.“ Die Verantwortung für die Pen-and-Paper-Gruppe soll ihm auf dem Weg in den Arbeitsmarkt helfen. Simonsens Ziel ist es, einen Beruf außerhalb des Sozialraumprojekts im Café Paletti ergreifen zu können. In welche Richtung es gehen soll, will der Kieler gemeinsam mit seinen Betreuern und Sozialpädagogen herausfinden. Die Entscheidungsfindung vergleicht er mit einem Floß, das auf einem Fluss treibt. „Ich weiß nicht, wo ich ankommen werde.“ Und noch ein Ziel verfolgt er: „Ich will anderen Mut zusprechen, nicht aufzugeben und Hilfe zu suchen.“ Das Unterstützungsangebot sei da, auch wenn es größer sein könnte. „Es gibt die Möglichkeit, feste Strukturen zu finden.“
Ein Blick ins Café Paletti
Das Video gibt einen kurzen Einblick in unseren Alltag, unsere Arbeit und die Menschen, die das Café Paletti mit Leben füllen.
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